Digital Aging: Bekommt man durch Home Office schneller Falten?
Im Home Office haben viele mit trockener Heizungsluft, angestrengter Mimik und zu wenig Schlaf zu kämpfen

Acht Stunden Laptop, dazwischen Videocalls, abends noch das Handy oder der Fernseher - das ist mittlerweile der Alltag vieler Menschen. Seit man von zu Hause arbeiten kann, kursiert ein neuer Begriff in Beauty-Foren und auf Social Media – „Digital Aging“. Gemeint ist damit die Angst, dass Bildschirme die Haut schneller altern lassen. Wir haben uns angeschaut, ob die Sorge berechtigt ist und welche Gewohnheiten im Home Office wirklich für schnellere Hautalterung sorgen können.
Inhaltverzeichnis
Was mit „Digital Aging“ gemeint ist
„Digital Aging“ ist kein medizinischer Fachbegriff, sondern eher sowas wie ein erfundener Begriff für die Sorge einer schnelleren Hautalterung im Home Office. Denn viele befürchten, dass blaues Licht von Monitoren, Laptops und Smartphones Falten und Pigmentflecken begünstigen kann. Deshalb gibt es sogar inzwischen Cremes, die „Blue-Light-Schutz“ versprechen.
Für eine ehrliche Antwort sollte man aber zwei Dinge beachten: Schadet das Licht der Geräte der Haut? Oder verändert sich durch das Arbeiten zu Hause etwas anderes, das die Haut altern lässt?
Blaulicht vom Bildschirm: Die Dosis macht das Gift
Blaues Licht, auch HEV-Licht (High Energy Visible Light) genannt, kann der Haut tatsächlich schaden. Es erzeugt oxidativen Stress und kann Hautalterung und Pigmentflecken verursachen. Die meisten HEV-Strahlen bekommen wir aber von der Sonne, nicht vom Monitor: Rund die Hälfte des Sonnenlichts ist blaues Licht.
Wie gering die Menge dieser Strahlen von den Bildschirmen ist, hat das Forschungsteam von Beiersdorf ausgerechnet. Eine ganze Woche ununterbrochen in 30 Zentimetern Abstand vor dem Monitor entspricht demnach etwa einer Minute Mittagssonne an einem Sommertag in Hamburg. Selbst ein zehnstündiges Handytelefonat liegt in derselben Größenordnung (Beiersdorf, 2021).
Auch das Bundesamt für Strahlenschutz hält die Sorge vor schnellerer Hautalterung am Bildschirm für unbegründet. Zuverlässige wissenschaftliche Literatur dazu gibt es zwar noch nicht, die Strahlendosis der Geräte jedoch sei gering (Stiftung Warentest, 2021). Einzelne Laborstudien, in denen Zellen sehr nah und lange bestrahlt wurden, sind realitätsfern und lassen sich nicht auf den Alltag übertragen.
Unser Faktencheck: Nur wegen Ihres Laptops bekommen Sie keine Falten. Ein Blaulichtfilter lohnt sich eher abends für einen besseren Schlaf als für Ihre Haut.
Was sorgt im Home Office für Falten, wenn es nicht der Bildschirm ist?
Die Sorge, dass man im Home Office mehr Falten bekommt, kommt nicht von ungefähr. Tatsächlich steckt eine gewisse Wahrheit dahinter, doch wie bereits erwähnt, ist nicht das Licht der Bildschirme Schuld. Es gibt jedoch andere Faktoren, die im Home Office zusammenspielen und Falten begünstigen können:
Die Mimik am Schreibtisch
Mimische Falten entstehen, wenn sich die Haut immer wieder auf die gleiche Art zusammenzieht. Wer konzentriert auf eine kleine Schrift schaut, kneift oft die Augen zusammen oder zieht die Brauen zusammen – meist über Stunden und ohne es zu merken. Mit den Jahren können sich so die Zornesfalte und Krähenfüße vertiefen.
Hinzu kommt die Haltung. Beim Blick auf Laptop oder Handy neigt sich der Kopf nach vorn, der Hals staucht sich. Durch die tägliche Haltung am Schreibtisch können Falten am Hals schneller entstehen. Für Nacken und Rücken ist ein Bildschirm auf Augenhöhe definitiv besser. Nicht das Gerät, sondern die angestrengte Mimik und die Haltung während der Arbeit kann Falten verursachen.
Heizungsluft
Trockene Raumluft macht feine Linien sichtbarer, da die Haut austrocknet. Wer im Winter den ganzen Tag im beheizten Arbeitszimmer sitzt, verbringt viele Stunden bei niedriger Luftfeuchtigkeit – oft mehr als früher im Büro mit Pendelweg und Mittagspause draußen.
Wie schnell das geht, zeigen japanische Studien. In einem Versuch mit 20 Personen nahmen feine Fältchen an den Augenlidern deutlich zu, nachdem die Teilnehmenden nur 30 Minuten bei 40 Prozent statt 70 Prozent Luftfeuchtigkeit verbracht hatten; zugleich sank die Elastizität der Haut (Skin Research and Technology, 2007). Eine weitere Studie fand nach drei bis sechs Stunden in trockener Luft weniger Feuchtigkeit in der obersten Hautschicht und eine rauere Hautstruktur (Skin Research and Technology, 2002).
Diese Trockenheitsfältchen sind zunächst vorübergehend und verschwinden, wenn die Haut wieder genug Feuchtigkeit bekommt. Bleibt die Haut aber über Monate trocken, leidet ihre Schutzbarriere – und Umwelteinflüsse können mehr Schaden anrichten.
Unser Faktencheck: Im Winter ist die Heizungsluft im Home Office für die Haut schädlicher als jeder Bildschirm.
Die indirekten Faktoren
Schlaf: Wenn Arbeit und Privatleben verschwimmen - wie es im Home Office oft der Fall ist - wird abends oft noch gemailt und gescrollt. Das kann den Schlaf verkürzen – und schlechter Schlaf zeigt sich auf der Haut. In einer Studie mit 60 Frauen zwischen 30 und 49 Jahren hatten schlechte Schläferinnen mehr Zeichen innerer Hautalterung, etwa feine Linien und nachlassende Elastizität. Ihre Hautbarriere erholte sich zudem langsamer (University Hospitals Cleveland, 2013). Die Studie wurde von einem Kosmetikhersteller finanziert und ist klein, passt aber zu weiteren Befunden.
Fensterplatz: Den Schreibtisch ans Fenster zu stellen, ist für Licht und Laune gut. Normales Fensterglas hält UVB-Strahlung weitgehend ab, lässt aber einen Teil der UVA-Strahlung durch. Genau diese dringt tief in die Haut ein und kann die Hautalterung beschleunigen (aponet.de, 2026). Wer täglich im Sonnenlicht am Fenster sitzt, ist also nicht automatisch vor UV-Strahlung geschützt.
Stress: Dauerstress und ständige Erreichbarkeit Zuhause wirken sich auf Schlaf und die Hautbarriere aus. Mehr dazu lesen Sie in unserem Beitrag Cortisol senken: Was hinter dem Trend steckt.
Übersicht: Was im Home Office wirklich für Falten sorgt
Home Office lässt die Haut nicht automatisch schneller altern. Wer von zu Hause arbeitet, ist sogar oft weniger Sonne ausgesetzt als Menschen mit langem Arbeitsweg - was erst mal gut für die Haut ist. Viel wichtiger sind die Gewohnheiten, die sich mit dem Arbeiten zu Hause einschleichen.

So schützen Sie Ihre Haut im Home Office
Wir wissen jetzt also, dass ein Bildschirm allein unsere Haut nicht schneller altern lässt. Vielmehr sind die Gewohnheiten im Home Office Schuld an vorzeitigen Falten. Doch glücklicherweise kann man einiges dagegen tun:
Luftfeuchtigkeit im Blick behalten: Ein einfaches Hygrometer zeigt, wie trocken die Luft ist. Regelmäßiges Stoßlüften, Pflanzen oder ein Luftbefeuchter helfen im Winter.
Bildschirm richtig einstellen: Die Schrift sollte groß genug sein, Monitor auf Augenhöhe, keine Blendung. So kneifen Sie seltener die Augen zusammen. Wer häufig blinzelt oder die Stirn runzelt, sollte die Sehstärke prüfen lassen.
UV-Schutz am Fenster: Sitzen Sie im direkten Sonnenlicht, schützt eine Tagespflege mit UV-Filter oder eine Jalousie vor UVA.
Feierabend für Bildschirme: Eine feste Bildschirmpause vor dem Schlafengehen tut dem Schlaf gut – und damit auch der Haut.
Mittagspause draußen: Bewegung an der frischen Luft gleicht viele Stunden Sitzen in trockener Raumluft aus.
Die Hautbarriere pflegen: Gerade bei trockener Luft braucht die Haut Feuchtigkeit und Lipide. Inhaltsstoffe wie Hyaluronsäure, Moos-Extrakt, Glycerin, Sheabutter oder pflanzliche Öle helfen ihr, Wasser zu halten.
Häufige Fragen
Lässt das Handy die Haut schneller altern?
Nach heutigem Wissen nicht. Die Menge an blauem Licht aus Smartphones ist im Vergleich zur Sonne gering.
Braucht man eine Creme mit Blaulichtschutz?
Für die Arbeit am Bildschirm nicht. Sinnvoller ist ein guter UV-Schutz, wenn Sie draußen oder am sonnigen Fenster sitzen.
Bekommt man im Winter mehr Falten?
Trockene Heizungsluft lassen feine Linien deutlicher hervortreten. Meist handelt es sich um Trockenheitsfältchen, die mit guter Pflege und ausreichender Luftfeuchtigkeit wieder weniger sichtbar werden.
Welche Luftfeuchtigkeit ist gut für die Haut?
In der kalten Jahreszeit sinkt die Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen oft deutlich ab. Ein Hygrometer zeigt Ihnen, ob gelüftet oder befeuchtet werden sollte.
Hilft ein Blaulichtfilter am Abend?
Für die Haut kaum, für den Schlaf möglicherweise. Noch wirksamer ist es, Bildschirme vor dem Zubettgehen ganz wegzulegen.
Quellen:
Stiftung Warentest: Schadet blaues Licht Augen und Haut? (2021)
Beiersdorf: Pressemitteilung zu Blaulicht von Bildschirmen (2021)
Skin Research and Technology: Luftfeuchtigkeit und feine Falten (2007)
Skin Research and Technology: Effect of exposure of human skin to a dry environment (2002)
University Hospitals Cleveland: Schlafqualität und Hautalterung (2013)
aponet.de: Schützen Fenster vor UV-Strahlung? (2026)

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