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Graue Haare durch Stress: Was an dem Mythos wirklich dran ist

  • 2026 - Anzeigensonderveröffentlichung
  • vor 2 Tagen
  • 5 Min. Lesezeit

Viele behaupten, dass sie von Stress graue Haare bekommen



graue haare durch stress

"Von dem ganzen Stress krieg ich noch graue Haare" — diesen Satz hört man öfter, wenn Freunde oder Familie eine stressige Phase durchmachen. Jahrzehntelang galt das als Übertreibung oder bildhafte Redewendung ohne medizinischen Hintergrund. Inzwischen weiß man aber, dass hinter dem Spruch mehr Wahrheit steckt, als die meisten vermuten würden. Es gibt tatsächlich konkrete Anhaltspunkte, die Stress mit dem Ergrauen der Haare in Verbindung bringen. Hier erfahren Sie alles darüber und was man dagegen tun kann.




Wie Haare überhaupt ihre Farbe bekommen


Um zu verstehen, was Stress mit grauen Haaren zu tun hat, muss man zuerst einmal wissen, wie die Haare normalerweise ihre Farbe erhalten. In jedem Haarfollikel befinden sich Zellen, die Melanozyten. Sie produzieren das Pigment Melanin und geben es an die wachsende Haarfaser weiter — das färbt das Haar in seiner charakteristischen Farbe, ob blond, braun, schwarz oder rot.


Diese Melanozyten werden im Laufe des Lebens immer wieder neu gebildet — aus Stammzellen, die in der Haarwurzel ruhen. Jeder Haarfollikel durchläuft mehrere Dutzend Wachstumszyklen, und am Beginn jedes neuen Zyklus entstehen aus diesen Stammzellen frische Melanozyten, die das neu gewachsene Haar wieder mit Farbe versorgen. Mit zunehmendem Alter wird die Anzahl dieser Zellen kleiner — irgendwann reicht es nicht mehr aus, um genügend Melanozyten für jedes neu wachsende Haar zu bilden. Die Folge sind graue Haare.


Übrigens: Graue Haare sind streng genommen weiße Haare ohne jedes Pigment. Der gräuliche Eindruck entsteht durch die Mischung aus weißen und noch pigmentierten Haaren.




Die Studie, die den Mythos bestätigte


2020 veröffentlichte ein Forschungsteam der Harvard University im renommierten Fachjournal Nature eine Untersuchung, die genau diesen Zusammenhang erstmals wissenschaftlich belegte. Das Team setzte Mäuse verschiedenen Stressformen aus — leichten körperlichen Schmerzreizen, psychischem Stress und Bewegungseinschränkung. Alle drei Stressarten führten zu einem messbaren Verlust der Melanozyten-Stammzellen und in der Folge zu grauem Fell.


Sie fanden heraus, dass Stress das sympathische Nervensystem aktiviert — jenen Teil des Nervensystems, der für die sogenannte Kampf-oder-Flucht-Reaktion verantwortlich ist. Diese Nervenfasern reichen bis in die einzelnen Haarfollikel hinein. Unter Stress schütten diese Nerven verstärkt den Botenstoff Noradrenalin aus.


Die Melanozyten-Stammzellen besitzen Rezeptoren für genau diesen Botenstoff. Wird Noradrenalin ausgeschüttet, werden die ruhenden Stammzellen vorzeitig aktiviert — sie beginnen sich zu Melanozyten zu differenzieren und wandern aus ihrem Reservoir in der Haarwurzel ab, obwohl gerade keine Pigmentbildung für ein neues Haar nötig wäre. Das Problem: Dieser Prozess ist nicht umkehrbar. Sind die Stammzellen einmal verbraucht und abgewandert, steht für künftige Haarzyklen kein Nachschub mehr zur Verfügung. Das betroffene Haar bleibt dauerhaft ohne Farbe.




Was diese Entdeckung bedeutet


Die Ergebnisse der Studie erklären etwas, das viele Menschen aus eigener Erfahrung kennen: Warum sich graue Strähnen oft genau in oder nach besonders belastenden Lebensphasen bilden — nach einer Trennung, dem Verlust eines nahen Menschen, beruflichem Druck oder einer schweren Erkrankung. Es handelt sich dabei nicht um Zufall oder Einbildung, sondern um einen nachvollziehbaren Prozess im Körper.


Man sollte allerdings nicht vergessen, dass der in der Studie nachgewiesene Effekt an Mäusen untersucht wurde. Die grundlegenden Mechanismen — sympathisches Nervensystem, Melanozyten-Stammzellen, Noradrenalin — sind zwar bei Mäusen und Menschen sehr ähnlich aufgebaut, aber nicht genau gleich wie beim Menschen. Eine direkte, ebenso kontrollierte Studie am Menschen ist aus ethischen und praktischen Gründen nicht durchführbar.




Sind graue Haare durch Stress umkehrbar?


Hier kommt leider die ernüchternde Nachricht der Studie: Sind die Melanozyten-Stammzellen einmal durch Stress verbraucht, lässt sich dieser Verlust nach aktuellem Forschungsstand nicht rückgängig machen. Wenn man aber den Stress reduziert, bevor die Melanozyten-Stammzellen aufgebraucht sind, hat man tatsächlich die Chance, dass die grauen Haare wieder farbig nachwachsen.


Das bedeutet nicht, dass die Reduzierung von Stress wirkungslos ist. Im Gegenteil: Wer chronischen Stress reduziert, schützt nicht nur die verbleibenden Melanozyten-Stammzellen, es wirkt sich auch positiv auf zahlreiche andere Aspekte der Gesundheit aus — von der Herzgesundheit bis zum Immunsystem.




Andere Faktoren, die das Ergrauen beeinflussen


Stress ist nur einer von vielen Faktoren, die beim Ergrauen der Haare eine Rolle spielen. Die Genetik bestimmt maßgeblich, wann die Melaninproduktion nachlässt — manche Familien bekommen schon mit 30 erste graue Strähnen, andere haben bis weit ins hohe Alter farbige Haare.


Daneben werden auch Nährstoffmängel — etwa Vitamin B12, Kupfer oder Folsäure — sowie bestimmte Schilddrüsenerkrankungen mit vorzeitigem Ergrauen der Haare in Verbindung gebracht. Rauchen wird in mehreren Untersuchungen ebenfalls als beschleunigenden Faktor genannt, vermutlich durch den oxidativen Stress, den Zigarettenrauch im Körper verursacht.




Was kann man gegen vorzeitiges Ergrauen tun?


Auch wenn sich bereits ergrautes Haar nicht zurückverwandeln lässt, gibt es sinnvolle Maßnahmen zur Vorbeugung oder Verlangsamung des Ergrauens:


Stressmanagement als vorbeugende Maßnahme sollte man ernst nehmen — regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf, Entspannungstechniken wie Atemübungen oder Meditation können die Aktivierung des sympathischen Nervensystems im Alltag reduzieren.


Nährstoffversorgung untersuchen lassen, besonders wenn das Ergrauen ungewöhnlich früh einsetzt — ein Bluttest kann Mängel an B12, Eisen oder Schilddrüsenwerten aufdecken, die behandelbar sind.


Haarpflege mit pflanzlichen Wirkstoffen kann unterstützend wirken. In der Apotheke gibt es Produkte mit Extrakten, die sich positiv auf die Haarstruktur und -gesundheit auswirken — etwa wie die Citurin Mandarinen-Tinktur, die einen aus Mandarinenschalen gewonnenen Wirkstoff nutzt und für die Anwendung auf grauem Haar entwickelt wurde.




Das Wichtigste im Überblick


  • Eine Harvard-Studie aus dem Jahr 2020 hat erstmals den biologischen Mechanismus zwischen Stress und Ergrauen aufgezeigt

  • Stress aktiviert das sympathische Nervensystem, das über Noradrenalin die Melanozyten-Stammzellen vorzeitig verbraucht

  • Der Effekt wurde an Mäusen nachgewiesen — die biologischen Mechanismen gelten als auf den Menschen übertragbar, eine direkte Studie am Menschen ist aber kaum durchführbar

  • Der Verlust der Stammzellen ist nach aktuellem Wissensstand dauerhaft

  • Stressreduktion kann den weiteren Prozess verlangsamen

  • Genetik, allgemeine Alterung, Nährstoffmängel und Schilddrüsenerkrankungen sind weitere wichtige Einflussfaktoren




Häufige Fragen zu Stress und grauen Haaren


Kann man durch einen einzigen Schock über Nacht graue Haare bekommen?

Nein, das ist ein Mythos. Das Ergrauen kann nur neu wachsende Haare betreffen und ist immer ein Prozess über Wochen, nicht eine Veränderung über Nacht. Bereits gewachsenes, pigmentiertes Haar kann seine Farbe nicht nachträglich verlieren.

Ab welchem Alter ist Ergrauen normal?

Bei Menschen europäischer Abstammung gilt das Ergrauen vor dem 20. Lebensjahr als vorzeitig, bei Menschen asiatischer Abstammung vor dem 25. und bei Menschen afrikanischer Abstammung vor dem 30. Lebensjahr. Danach ist Ergrauen ein normaler, individuell sehr unterschiedlich verlaufender Alterungsprozess.

Welche anderen Ursachen außer Stress gibt es für graue Haare?

Die Genetik ist die größte Ursache. Daneben spielen der natürliche Alterungsprozess, Nährstoffmängel wie Vitamin B12 oder Kupfer, Schilddrüsenerkrankungen und möglicherweise Rauchen eine Rolle.

Sollte ich bei sehr frühem Ergrauen zum Arzt gehen?

Ja, das kann sinnvoll sein. Sehr frühes Ergrauen kann auf behandelbare Ursachen wie Vitaminmängel oder Schilddrüsenprobleme hinweisen, die sich durch einen Bluttest abklären lassen.


Quellen:

  • Zhang B, Ma S, Rachmin I, He M, Baral P, Choi S, Gonçalves WA, Shwartz Y, Fast EM, Su Y, Zon LI, Regev A, Buenrostro JD, Cunha TM, Chiu IM, Fisher DE, Hsu YC. Hyperactivation of sympathetic nerves drives depletion of melanocyte stem cells. Nature. 2020 Jan;577(7792):676-681. doi: 10.1038/s41586-020-1935-3. Epub 2020 Jan 22. PMID: 31969699; PMCID: PMC7184936.

  • Clark SA, Deppmann CD. How the stress of fight or flight turns hair white. Nature. 2020 Jan;577(7792):623-624. doi: 10.1038/d41586-019-03949-8. PMID: 31988402; PMCID: PMC7653867.

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